Wappen der Familie Prüm
Wappen der Familie Prüm.

Jodocus entstammt einer vermögenden Weinbauernfamilie; seine Vorfahren hatten über Jahrhunderte Schöffenpositionen in Graach und Wehlen.

Die Ordnung des Weinbaus

Die Familie Prüm hatte über Jahrhunderte Weinberge und weiteren Grundbesitz in Graach und Wehlen. Neben eigenen Grundstücken bewirtschafteten sie auch Weinberge der Kirche.

Um diese Lebenswelt zu verstehen, muss man die Ordnung des Weinbaus an der Mittelmosel kennen. Drei Arten von Grundherren kontrollierten die Weinberge: der Trierer Kurfürst, kirchliche Einrichtungen wie Klöster und Stifte, private vermögende Weinbauern sowie der Adel. Klöster und Kirche hielten bedeutende Anteile. Sie verpachteten ihre Lagen an Winzer, die das Land in Erbpacht oder als sogenannte Halbscheid bewirtschafteten: Die Hälfte der Ernte ging an den Grundherrn.

Die Abgabenlast war erheblich: Traubenzehnt, Grundsteuer in Wein, Gülten, Ohmgeld, Lagergeld und Weinpfennig. Wer auf kirchlichem Land wirtschaftete, musste zudem ernten, keltern und den Wein nach Trier transportieren. Die Kirche bestimmte den Lesezeitpunkt und besaß das Vorleserecht.

Die Schöffen

Schöffen überwachten die Einhaltung dieser Ordnung. Sie waren lokale Verwaltungsbeamte und Richter zugleich – kontrollierten die Weinmessung, die Zehntabrechnung und die Besitzgrenzen. Das Amt verlieh Ansehen und Einfluss, setzte aber Grundbesitz voraus.

Die Prüms bekleideten es über Generationen. Sie heirateten bevorzugt Töchter anderer Schöffenfamilien. Grundbesitz, Verwaltungsamt und Heiratspolitik – diese Verflechtung sicherte den Status der Familie über Jahrhunderte.

Frühe Spuren an der Mittelmosel

Schon 1156 ist in Wehlen ein Gerhardus Prüm urkundlich nachgewiesen. Eine direkte Abstammungslinie zu ihm lässt sich jedoch nicht ziehen. In einem Buch über die Familie Bergweiler findet sich die – nicht belegte – These, die Familie Prüm habe im 12. Jahrhundert durch einen Domprobst Benedikt von Prüm, der seinen Bruder nebst familiärem Anhang hat nachkommen lassen, ihren Weg nach Wehlen gefunden.

Der erste genealogisch nachweisbare Vorfahre, Peter Prüm (1556 belegt), war auch in St. Goar ansässig. Dort unterhielt das Kloster Prüm Besitzungen. Als St. Goar 1557 an die evangelischen Rheingrafen fiel, könnte er als churtrierischer Beamter an die Mosel geflüchtet sein. Dabei muß schon bei ihm Grundbesitz vorhanden gewesen sein, ohne den er seine Ämter nicht hätte ausüben können – dieser Grundbesitz kann ererbt, aber auch angeheiratet worden sein.

Peter Prüm (1624 erwähnt), Sohn des obigen, und Johann Adam Prüm (* 1614) sind als Hofmänner des Stifts St. Simeon in Trier geführt, welches 1032 durch Erzbischof Poppo gegründet wurde. Für St. Simeon werden 1155 durch Papst Hadrian VI. Weinberge in Bernkastel und 1195 durch Heinrich VI. Weinberge in Graach bestätigt. Zur Größenordnung: Johann Adam Prüm zahlte 1624 650 fl. Steuern – um 1693 veranschlagte man für ein stattliches Haus einen Preis von 650 fl.

Von Graach nach Wehlen

Sebastian Alois Prüm (1794–1871) – der ältere Bruder

Sebastian Alois Prüm mit seiner Ehefrau
Sebastian Alois Prüm (1794–1871) mit seiner Ehefrau.

Sebastian Alois Prüm wurde am 20. August 1794 in Wehlen geboren – dreizehn Jahre vor seinem jüngeren Bruder Jodocus. Er ist nach seinem Onkel Johann Sebastian Prüm (1759–1833) benannt, dem ersten Träger des Namens Sebastian in der Familie.

Nach dem frühen Tod des Vaters Johann Philipp Prüm im März 1809 und dem Tod der Mutter Maria Katharina Schander im Juni 1819 wurde Sebastian Alois als ältester verbliebener Sohn zur Leitfigur der verwaisten Geschwister. Für den damals erst elfjährigen Jodocus nahm er faktisch eine väterliche Rolle ein.

Die Marke „S.A. Prüm“

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts baute Sebastian Alois den durch die Säkularisation erworbenen Weinbergsbesitz der Familie systematisch zu einem Qualitätsweingut aus. Er etablierte den Namen „S.A. Prüm“ als eine der ersten persönlichen Marken für hochwertigen Moselriesling. Während Jodocus später sein Vermögen karitativ einsetzte, schuf Sebastian Alois das wirtschaftliche Fundament.

Die beiden Brüder verkörperten zwei Seiten desselben bürgerlichen Selbstverständnisses: Sebastian Alois den Unternehmer, der die Familie durch die Zollkrise 1828 und die Hungerjahre trägt – Jodocus den Stifter, der aus dem erarbeiteten Wohlstand Sozialbauten finanziert.

Nachkommen und Linien

Im Gegensatz zu Jodocus, der kinderlos blieb, gründete Sebastian Alois eine Familie. Seine Nachkommen bilden die Verbindung zu den heutigen Weingütern der Mittelmosel. Sein Sohn Matthias Prüm (1835–1890) war der einzige von Jodocus’ sechs Neffen, der heiratete – aus dieser Linie gingen später die international bekannten Erzeuger hervor: Joh. Jos. Prüm, S.A. Prüm, Dr. Loosen, Robert Weil, Pauly-Bergweiler, Weins-Prüm, Studert-Prüm und weitere.

Sebastian Alois starb 1871 in Wehlen – im selben Jahr, in dem sein Bruder Jodocus mit dem Umbau der Alten Kirche zu Armenwohnungen begann.

Eine Verbindung zu Nikolaus von Kues

In der Familiengeschichte tauchen als Paten Verwandte von Nikolaus von Kues auf. Der große Humanist wurde 1401 im Nachbardorf Kues als Nikolaus Cryfftz (Krebs) geboren. Wahrscheinlich kreuzten sich die verwandtschaftlichen Beziehungen beider Familien.

Ein faszinierender Gegensatz: In diesem engen Moseltal gelang vor 600 Jahren dank eines brillanten Geistes ein entscheidender Schritt aus dem Mittelalter in die Neuzeit – und doch bestand das Mittelalter hier noch Jahrhunderte fort, teilweise bis heute.

Das Familienwappen

Das Wappen der Familie Prüm (in Teilen noch in der Kirche von Graach sichtbar) verweist auf die jahrhundertealte Rolle der Familie als Weinbauern und Schöffen.

Siehe weiter: Die Neffen und Großneffen – und die heutigen Weingüter.