Winzer · Bürger · Stifter

Jodocus Prüm

22. September 1807 — 27. März 1876

Jodocus Prüm widmete sein Vermögen dem Gemeinwohl. Aus einer begüterten Wehlener Winzerfamilie stammend, hinterließ er an der Mittelmosel sichtbare Spuren: die weltberühmte Wehlener Sonnenuhr, den Umbau der Alten Kirche zu Armenwohnungen, den Wiederaufbau des Kapuzinerklosters in Bernkastel und die Kapelle in Kautenbach. Er verkörpert den Bürger des 19. Jahrhunderts, der soziale Verantwortung in Stein verwandelte.

Porträt von Jodocus Prüm

Zum Einstieg

Biografie

Leben zwischen Umbruch und Aufbruch

Geboren als Franzose im Département de la Sarre, aufgewachsen unter preußischer Herrschaft, geprägt vom frühen Verlust der Eltern und dem Aufstieg der Familie im Weinbau — der Lebensweg von Jodocus Prüm von Wehlen nach Klausen.

Werk

Die Wehlener Sonnenuhr

1842 in die Schieferfelsen gehauen — zur Zeitorientierung für die Winzer. Heute gibt sie einer weltbekannten Weinlage der Mittelmosel ihren Namen. Ziffernblatt ohne die „7": „Zähl die heitren Stunden nur".

Werk

Die Alte Kirche in Wehlen

1871 baute Jodocus Prüm die verlassene Kirche zu Armenwohnungen um — vertraglich dauerhaft gesichert. Heute ein Ferien- und Seminarhaus. In der Krypta ruht er in einem Sarkophag, den er sich zu Lebzeiten selbst herstellen ließ.

Werk

Kapuzinerkloster Bernkastel

Nach dem großen Stadtbrand von 1857 ließ Jodocus Prüm ab 1868 das Kloster St. Barbara auf den alten Fundamenten wiedererrichten. Die Kosten trug er selbst. Heute: Altenheim „Zur Heiligen Familie".

Biografie

Soziale Not an der Mosel

Der Zollvertrag von 1828, Missernten und Pilzkrankheiten, Hungerjahre und die Auswanderungswellen — Jodocus Prüm wuchs in einer Region auf, die im 19. Jahrhundert zu den Armutsgebieten Preußens zählte. Aus dieser Erfahrung wurde sein Lebenswerk.

Stiftung

Jodocus-Prüm-Bürgerstiftung

2007 zum 200. Geburtstag von Dr. Jost und Dr. Eckart Prüm gegründet. Die Stiftung knüpft an Jodocus’ karitatives Wirken an und fördert Denkmalpflege, Bildung und Musik an der Mittelmosel.

Über dieses Portal

Diese Seite sammelt das Material, das Dr. Thomas Prüm über Jahre zu seinem Vorfahren Jodocus Prüm zusammengetragen hat — dem Bruder seines Ahns Sebastian Alois Prüm (1794–1871). Sie ergänzt das 2026 anlässlich des 150. Todestages erschienene, bebilderte Buch „Umbruch. Aufbruch." und das Engagement der Jodocus-Prüm-Bürgerstiftung, gegründet 2007 zum 200. Geburtstag.

Im Mittelpunkt stehen vier Themen:

Seine Werke im Überblick

Wehlener Sonnenuhr

Wehlener Sonnenuhr · 1842

Die Sonnenuhr in den Schieferfelsen — heute Namensgeberin einer der bedeutendsten Rieslinglagen der Welt.

Alte Kirche Wehlen

Alte Kirche · 1871

Umbau zu Armenwohnungen und Kleinkinderbewahranstalt. Seine Grabstätte liegt in der Krypta.

Kloster St. Barbara in Bernkastel

Kloster St. Barbara · 1868–1870

Wiederaufbau des beim Stadtbrand 1857 zerstörten Klosters in Bernkastel.

Kapelle Maria Himmelfahrt Kautenbach

Kapelle Kautenbach · 1871–1874

Das erste Gotteshaus des kleinen Eifeldorfes — benediziert 1880 als „Maria Himmelfahrt".

Wallfahrtskirche Klausen

Wallfahrtskirche Klausen · 1876

Sein letztes Projekt, während dessen er starb. Das Eberhardfässchen am Kirchturm erinnert an ihn.

Dr. Eckart und Dr. Jost Prüm bei der Stiftungsgründung 2007

Bürgerstiftung · seit 2007

Zum 200. Geburtstag von Dr. Jost und Dr. Eckart Prüm gegründet — sie führt sein Vermächtnis fort.

Ein Zeitzeuge der Umbrüche

Umbruch. Aufbruch. Durchbruch.
Jodocus ist ein Zeitzeuge eines Epochenbruchs hin zur Moderne — geboren als Franzose, gestorben als Preuße. Und gleichzeitig Zeit seines Lebens in einer Welt, in der das Mittelalter noch bis tief ins 19. Jahrhundert fortbestand. — Thomas Prüm, „Umbruch. Aufbruch." (2026)

Sein Zeitgenosse Karl Marx wurde 1818 ebenfalls als Sohn eines Moselweinbergsbesitzers geboren. Beide kannten die soziale Not der Moselwinzer. Sie antworteten verschieden: Jodocus mit Sozialprojekten, Marx mit Fundamentalkritik. Sie einte das Mitgefühl.